Samstag, 1. Dezember 2007

RaumBildung und Nachhaltigkeit

RaumBildung und Nachhaltigkeit

AT-S / das „Salzburger Modell“ der Architekturvermittlung an Schulen

Versteht man Raum nicht nur dreidimensional sondern auch als Umraum der uns permanent umgibt, beeinflusst und prägt, in dem Interaktion und somit soziales Leben stattfindet so wird man feststellen, dass diese Begrifflichkeit einen zentralen Platz in unserem Leben einnimmt.
Ist man sich nun dieser erweiterten Betrachtungsweise von Raum bewusst und bedenkt man noch, dass jeder von uns einen Großteil seines Lebenseinkommens für Raum aufzuwenden hat, so wird man feststellen, wie wichtig und notwendig es ist sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Betrachtet man nun noch die Lehrpläne unserer Kinder, so wird man feststellen, dass der Gesetzgeber bei der Erstellung der Lehrpläne der Kunst- und Werkerziehung sich dieser Tatsache durchaus auch bewusst war und den Themen der Architektur, dem Design und der Umraumgestaltung mit ca. einem Drittel der Themenbereiche in den Lehrinhalten verankert hat.

Das zentrale Thema der Architektur ist aber nun gerade dieser vorhin beschriebene Raum der uns tagtäglich umgibt und vor dem es eigentlich kein Entrinnen gibt.

Architektur als Lehre betrachtet kann somit hier eine Hilfestellung bieten, da Ihr eigentliches Aufgabengebiet ja die kreative Auseinandersetzung und Gestaltung von Raum umfasst.

Wie vermittelt man nun aber dieses überaus komplexe Thema „Raum“. Ein durchschnittliches Architekturstudium dauerte ja bereits zu meiner Zeit bereits über 16 Semester und hat sich bis heute noch verlängert. Kann ein Lehrer dieses Thema überhaupt alleine bewältigen?

Hier setzt nun unser Verein an und bietet den Lehrern und Schülern unterschiedlicher Schulstufen und Schultypen die Möglichkeit in einem partnerschaftlichen und interdisziplinären Prozess mit einem Architekten sich dieser Thematik anzunähern. Die Themen kommen dabei entweder vom Lehrer oder vom Architekten. Sie sind meist vielfältig wie die Architektur selbst.
Sie haben jedoch meist mit elementaren Fragen der Architektur zu tun. Die Projekte selbst dienen dabei als kreativer Einstieg in die Welt der Architektur.
Der Schüler wird dabei in den meisten Projekten individuell betreut und gefördert.
Lehrer, Schüler und Architekt partizipieren voneinander.

Das Ziel unserer Aktivitäten ist es, Architektur den Kindern erfahrbar und erlebbar zu machen, sie genauer hinschauen zu lassen um komplexe Zusammenhänge erkennen zu können und nicht zuletzt die Freude an der eigenen Kreativität und am Gestalten zu spüren.

Die Sprache ist neben dem Modell und der Zeichnung ein wesentliches Hilfsmittel der Vermittlung. In der Sprache erfolgt nämlich der wesentliche Teil der Reflexion auf beiden Seiten.

Der Schüler spricht nämlich meist zum Abschluss die Sprache des Architekten und umgekehrt der Architekt die Sprache des Schülers. Die Sprachlosigkeit verschwindet. Eine der schönsten Momente in der Arbeit mit Kindern.

Führungen zu verschiedenen Themenbereichen sowie ein monatlicher Newsletter runden das Angebot von AT-S noch ab.

Noch zu erwähnen ist, dass seit 2003 sich auch die Ingenieurkonsulenten an unserem Projekt beteiligen. Sie unterstützen entweder architekturspezifische Projekte in konstruktionsbedingten Fragestellungen oder bringen sich ein in naturwissenschaftliche Fächer wie zB. der angewandten Mathematik oder der Darstellenden Geometrie.

Nach Abschluss der Projekte kümmert sich der Verein um dessen methodisch didaktische Aufarbeitung. Es wurde auch erstmals im deutschsprachigen Raum eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben.

Ebenso versucht der Verein in der Lehrerfortbildung den Lehrern Möglichkeiten aufzuzeigen wie Architektur auch ohne Architekt vermittelt werden kann. Hier besteht nämlich das größte Problem. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es eigentlich keine Lehrbücher, Studienbehelfe oder Datenbanken die es den Lehrern ermöglichen sich umfangreich zu informieren um Ihren eigentlichen Lehrauftrag nachzukommen. Die Ausbildung selbst beschränkt sich meist nur auch nur auf eine Wochenstunde in einem Semester.

Aus diesem Grund hat sich unser Verein auch österreichweit und international vernetzt um gemeinsam diese Aufgabe zu bewältigen. Wir gründeten auch erstmals eine Plattform in der wir unsere Projekte und die dabei gesammelten Erfahrungen in Form einer Homepage (www.at-s.at) dokumentieren und auch wissenschaftlich evaluieren ließen.

Der Verein konnte in seinem nun 10-jährigen Bestehen bereits 71 Projekte mit 2100 Schülern, 110 Lehrern und 90 Architekten sowie Ingenieurkonsulenten durchführen. In 12 Lehrerfortbildungsveranstaltungen erreichten wir 220 Lehrer. Bei 27 Veranstaltungen konnten wir bisher 2100 Besucher begrüßen.

menschen.wohnen.nachhaltig

Betrachtet man nun unser heutiges Thema: Menschen. Wohnen. Nachhaltig so fallen einem natürlich viele Themen und Projekte ein die an die kommende Generation vermitteln werden müssten um Nachhaltigkeit erzeugen.

Projekte könnten beim privaten Wohnumfeld beginnen und sich über die vorgelagerten halböffentlichen Bereiche in das städtische Umfeld erstrecken. Hierbei ginge es primär einmal darum Zusammenhänge zu erkennen. Die Projekte könnten sich aber auch genauso mit der eigenen sinnlichen Wahrnehmung des Wohnens, den bereits gemachten Erfahrungen wie auch mit komplexeren städtebaulichen und politischen Rahmenbedingungen beschäftigen.

Auf der einen Seite könnten zunächst einmal Informationen zB. über globale, historische und zeitgemäße Wohnformen, eine persönliche Analyse und ein Erforschen der eigenen wie auch der erweiterten Wohnumgebung, wie auch eine kreative Umsetzung der eigenen Vorstellung von Wohnen abseits der Klischees erfolgen.

Es könnten jedoch auch Projekte stattfinden die sich lediglich mit sozialem Raum beschäftigen um die räumlichen Vorraussetzungen die dazu notwendig sind oder deren Defizite besser zu verstehen.

Zusammenhänge der Raumordnung könnten ebenso thematisiert und näher gebracht werden.
Ich denke dabei nur an Schlagworte wie: Zersiedelung, Speckgürtel, Verkehr, Umwelt, Grünlanddeklaration, Belebung der Altstadt etc.

LITERATURLISTE

Folgende Bücher zum Themenbereich Architektur sollten auch von Laien gelesen werden:

Peter Zumthor : ATMOSPHÄREN / Birkhäuser ISBN-10 3-7643-7494-2
ISBN-13 978-3-7643-7494-5

Peter Zumthor : ARCHITEKTUR DENKEN / Birkhäuser
ISBN-10 3-7643-6100-X
ISBN- 0 3-8176-6100-X

Bernard Rudofsky: DAS LEBEN EINE REISE / Birkhäuser
ISBN-13:978-3-7643-8359-6

Christopher Alexander: EINE MUSTER-SPRACHE / Löcker Verlag
ISBN-3:85409-179-6

Montag, 30. Oktober 2006

Mehr Streitkultur, wenn ich bitten darf!

Zum Thema Architekturvermittlung - einige Repliken zu einer äußerst harmonisch geführten Podiumsdiskussion ("architektur bricht auf" - Franz Morak, Staatssekretär für Kunst und Medien, Riklef Rambow, BTU Cottbus, Arch. DI Georg Pendl, Bundesvorsitzender Sektion Architekten, DI Karin Tschavgova-Wondra, Architekturvermittlung, Architekturpublizistik, Barbara Feller, Architekturstiftung Österreich / KulturKontakt Austria, Moderation: Univ. Prof DI Dr. Christian Kühn, 25. 10. 2006)

Architekturvermittlung ist etwas Gutes, darüber ist man sich einig, wahrscheinlich auch deswegen, weil es gilt, eine Initiative, die sich bemüht, Architektur in der Schule einen größeren Stellenwert zukommen zu lassen, nicht zu verschrecken. Die in der Diskussion angeführten Ziele einer solchen Bemühung lassen jedoch Zweifel aufkommen, dass die eigentlichen Ziele dieser Initiative gar nicht verstanden werden oder nicht verstanden werden wollen: Die von allen wohlgefällig aufgenommen Formel lautet nämlich "Sensibilisierung". Man soll Schüler für gute (?) Architektur sensibilisieren, ihnen bei der Wahrnehmung derselben behilflich sein, ihnen das nötige Rüstzeug für diesen Erkenntnisprozess (?) in die Hand geben, also einerseits durch kreatives Tun aufgeschlossenen und motivierten Heranwachsenden (vielleicht auch den einen oder anderen Erwachsenen) mit der nötigen (Fach-)Information versorgen und ihm das sprachliche Rüstzeug vermitteln, das Gefühlte, Erlebte (oder auch nur Erahnte) verbalisieren zu können. Freudig würde der sich so an die Architektur Herangeführte dann zur Qualität bekennen und mit Recht stolz auf die als nationale Identitätsstifterin empfundene Kulturleistung sein. So weit so gut. Oder so schlecht? Architekturvermittlung reduziert sich in diesem Konsensmodell vor allem auf die Position des Schönredens. Obwohl die dumpfe Ahnung tief in uns sitzt, mit diesem Projekt oder jener Situation könne etwas nicht stimmen, werden wir angehalten, positiv zu denken und die Position der Bewunderung ja nicht zu verlassen, nicht zuletzt mit dem Verweis auf eine unabdingbare Expertenmeinung, deren Autoritätsanspruch jegliche Zweifel sofort in die Knie zwingt. Wenn in Salzburg durch einen gewieften und millionenschweren Investor die Entscheidungsträger (Politiker) über den Tisch gezogen und statt eines nötigen Studentenheimes Zweitwohnungen für betuchte Festspielgäste errichtet werden, dann erscheinen formalästhetische Aussagen von Seiten der Architekturvermittlung in einem äußerst fragwürdigen Licht (Baukörper wie "Kristalle vor der Felswand" - Kühn/SN 11. 10. 2006). Die Glitzerwelt der Firma Swarovsky ist weltweit ein Exportschlager, hat wie ich meine aber nichts mit seriöser Architekturvermittlung zu tun. Oder haben wir uns jeglicher kritischer Stellungnahme zu entziehen, weil wir ja "vermitteln" und nicht, wie es bisher auch üblich war, Architekturkritik üben? Ist die Vorstellung eines mündigen, aufgeklärten und deshalb auch manchmal unbequemen Staatsbürgers kein schulisches Idealbild mehr? Dürfen wir nur mehr die hedonistische Seite des Lernprozesses in dieser Angelegenheit betonen, also in der Vermittlung dieses konkreten Projektes mit Glitzersteinen die Intentionen der planenden Architektinnen nachstellen? Ja, Lernen muss einfach Spaß machen, die Schule hat sich dem Taumel medialer Beglückungsszenarien anzugleichen, sonst mögen wir sie nicht. So der allgemeine Tenor. Dennoch: Architekturvermittlung kann und darf keine Einübung in bestehende Denkmuster sein, darf sich nicht als Verbrüderungsszenario einer bestehenden Elite definieren, sondern hat immer von den konkreten Bedürfnissen des Individuums auszugehen. Damit ist Architekturvermittlung grundlegend und radikal politisch. Architekturvermittlung kann Leitlinien und Strategien entwickeln, wie auf Architektur im weitesten Sinne reagiert werden kann, wie man diese vereinnahmen, dekonstruieren und verändern kann und birgt daher ein ungeheuer brisantes Potential in sich. Der Architekturbegriff unserer Gesellschaft ist weitgehend statisch definiert und mit konsequenten Tabus belegt. Wenn Architekturvermittlung einen Beitrag zur Überwindung dieses auf Erstarrung und territorialer (und somit gesellschaftlicher) Ab- und Ausgrenzung basierenden Kulturbegriffs zu leisten im Stande sein soll, dann muss das Ziel eines mündigen, partizipationsfähigen und demokratisch agierenden Menschen weiter verfolgt werden. Alles andere ist Methodenstreit.

Anton Thiel

Moraks Flucht nach Murau

Der Staatssekretär verweigert Antworten auf kulturpolitisch unangenehme Fragen

(Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006, Zitat): "Was macht eigentlich Kunststaatssekretär Franz Morak den lieben langen Tag in Wahlkampfzeiten? Er verleiht, wie die ÖVP informiert, vor allem viele Auszeichnungen. 11. September: Großes Ehrenzeichen an Gladys N. Krenek. 12. September: Ehrenkreuz an Gideon Eckhaus. 13. September: Berufstitel Professor an Ari Rath. Ehrenmitgliedschaft der Volksoper an Harald Serafin. 18. September: Preis für regionale Kulturinnovation (KI) an Lungaukultur. 22. September: Staatspreis für regionale KI in Vorarlberg. Staatspreis für regionale KI in Tirol. 24. September: Staatspreis für regionale KI für Steiermark und Kärnten. 25. September: Staatspreis für regionale KI an Das gläserne Tal. 27. September: Staatspreis Vorbildliche Verpackung. 28. September: Ehrenkreuz an Franz Leo Popp. Und 29. September: Staatspreis Werbung.
Als Zaungast war er auch bei ein paar Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Eröffnung des steirischen herbstes. Hin und wieder redete er sogar: am 16. September über Digitalisierung bei der Futura-Messe in Salzburg. Am 24. September über "Neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen Kultur, Tourismus und Landwirtschaft" in Murau. Am 25. September bei einer Diskussion zum Thema "Architekturvermittlung - was braucht's?". Und als letzter Termin vor der Wahl: Am 26. September bei Puls TV im Talk of Town erstaunlicherweise doch noch zu "Kultur und Medienpolitik".
Dazu kam es allerdings nicht: Morak sagte wenige Stunden zuvor ab. Das hat Methode: Morak war die "Was braucht's?"-Diskussion in der Salzburger Architektenkammer wichtiger als die Teilnahme bei der ORF-Sendung Treffpunkt Kultur, wo über Kulturpolitik geredet wurde. Morak sagte auch dem Standard ab - ebenfalls wenige Stunden vor dem lang geplanten Interview.
Warum schweigt Morak zur Kulturpolitik? Warum flüchtet der Staatssekretär nach Murau oder sonst wohin? Damit keine Diskussion anheben, damit es keine unangenehmen Fragen geben kann? [...]
(Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006)

//derstandard.at/?url=/?id=2603233

direkter Kommentar (at-s)
Wie sehr doch die Wiener Perspektive verzerrt! Es sei Herrn Thomas Trenkler natürlich unbenommen, in seinem Kommentar abschätzig über die Präsenz des Staatssekretärs Morak bei der Veranstaltung des Salzburger Vereins "architektur, technik & schule" zu Themen der Architekturvermittlung zu ätzen, es klingt allerdings mehr nach beleidigter Leberwurst statt konstruktiver Kritik. Wenn nun ein Politiker zu seinem Wort steht und in der Provinz über die Wichtigkeit von Initiativen an den Schnittstellen von Architektur und Schulen redet und das Staatssekretariat für Kunst und Medien zudem eine dieser Initiativen als Pilotprojekt unterstützt, ist das Gejammere, wie es im Standard-Artikel von Thomas Trenkler zum Ausdruck kommt, zumindest aus unserer Sicht unberechtigt. Und noch eine Frage zum Abschluss: Was ist denn an Murau soviel schlechter als eine unergiebige Diskussion in einer miesen Kultursendung des ORF?

Für den Verein "architektur, technik & schule": Anton Thiel

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Architekturbildung

Aufbauend auf unseren Erfahrungen in der Architekturvermittlung in den Schulen plant der Verein ein Kursangebot auch für Laien die sich grundlegend mit dem Thema Architektur auseinandesetzen wollen. Gedacht ist an ein einwöchiges Seminar in den Sommerferien mit mehreren Betreuern (Architekten + Künstler). Es soll ähnlich einer Sommerakademie als Schule des Sehens und Verstehens aufgefaßt werden. Da schon zweimal versucht wurde solche Kurse anzubieten, jedoch aus mangelnder Teilnehmerzahl ein solcher nie zustande kam, möchte ich nun dieses Forum nutzen um eine Diskussion in Gang zubringen welche Inhalte bei solch einem Seminar vermittelt werden sollen, wie ein solches Seminar aufgebaut sein sollte und welche Kosten dafür potentielle Interessenten ausgeben würden. Mich würde auch interessieren welche Personengruppen sich dafür begeistern könnten.

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